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Lehmputz selber auftragen: Schritt für Schritt zur fertigen Lehmwand
Von Roland Auer
Lehmputz ist eine wirklich schöne Möglichkeit, den eigenen Wohnraum mit einem vielseitigen und natürlichen Baustoff aufzuwerten. Die Oberfläche lässt sich von fein und glatt bis grob und lebendig gestalten. Mit der richtigen Vorbereitung und den passenden Materialien kannst du Lehmputz auch ganz einfach selbst auftragen.
Entscheidend ist dabei vor allem der Untergrund. Nicht jede Wand benötigt denselben Aufbau und nicht jeder Lehmputz eignet sich für jede Oberfläche. Wir zeigen dir heute, wie du beim Verputzen vorgehst, welche Materialien du benötigst und worauf du achten solltest, damit das Ergebnis auch wirklich gelingt.
Warum lohnt es sich, Lehmputz selbst aufzutragen?
Lehmputz besteht überwiegend aus natürlichen Rohstoffen und bietet viele Möglichkeiten bei der Gestaltung von Innenräumen. Er kann Feuchtigkeit aus der Raumluft aufnehmen und bei geeigneten Bedingungen wieder abgeben. Dadurch kann er zur Regulierung der Luftfeuchtigkeit beitragen.
Ein weiterer Vorteil ist die Gestaltungsfreiheit. Je nach Körnung, Verarbeitung und Werkzeug entstehen ganz unterschiedliche und individuelle Oberflächen. Ob dezente, glatte Wand oder bewusst strukturierter Putz, mit Lehm lassen sich verschiedene Wohnstile umsetzen (sogar Betonoptik ist möglich).
Auch für Heimwerker ist die Verarbeitung interessant. Lehmputz lässt sich bei vielen Anwendungen mit Wasser wieder anfeuchten und nachbearbeiten oder gar entfernen. Wie einfach die Verarbeitung gelingt, hängt allerdings vom verwendeten Produkt und vom jeweiligen Untergrund ab.
Welche Materialien und Werkzeuge benötigst du?
Bevor du mit dem Verputzen beginnst, solltest du alle benötigten Materialien zusammenstellen. Welche Produkte du tatsächlich brauchst, richtet sich nach dem vorhandenen Untergrund und dem gewünschten Wandaufbau.
Für ein typisches Projekt benötigst du folgende Materialien und Werkzeuge:
- Lehmputz für den jeweiligen Untergrund
- Putzträger (Schilfrohr oder Lehmbauplatten)
- Grundierung
- Armierungsgewebe und Armierungsmörtel
- Eckschutzprofile
- Saubere Eimer und Rührwerk
- Maurerkelle und Glättkelle
- Kartätsche oder Abziehlatte für den Unterputz
- Reibebrett oder Schwammbrett für Oberflächenbearbeitung
- Abdeckmaterial
Nicht jeder Wandaufbau benötigt sämtliche Materialien. Auf einer geeigneten, tragfähigen Wand kann ein anderer Aufbau erforderlich sein als auf Schilfrohr oder Lehmbauplatten. Orientiere dich deshalb immer an den Verarbeitungshinweisen des gewählten Lehmputzsystems.
Schritt 1. Den Untergrund prüfen und vorbereiten
Die Vorbereitung ist eine der wichtigsten Arbeiten beim Verputzen. Der Untergrund muss zum vorgesehenen Lehmputz passen und ausreichend tragfähig sein. Lose Bestandteile, Staub und Verschmutzungen können die Haftung beeinträchtigen und müssen entfernt werden.
Prüfe zunächst, aus welchem Material deine Wand besteht. Mineralischer Putz, Mauerwerk, Lehmbauplatten und Schilfrohr benötigen unterschiedliche Vorbereitungen. Auch alte Anstriche solltest du genau beurteilen. Dichte oder nicht tragfähige Beschichtungen können die Haftung und das Trocknungsverhalten beeinflussen.
Größere Löcher und Fehlstellen müssen gegebenenfalls vorab ausgebessert werden. Bei stark saugenden oder unterschiedlich saugenden Untergründen kann eine geeignete Grundierung erforderlich sein. Sie muss ausdrücklich für den jeweiligen Untergrund und den verwendeten Lehmputz geeignet sein.
Bei Lehmbauplatten sollten außerdem die Plattenbefestigung, die Fugen und die vorgesehene Armierung entsprechend den Herstellervorgaben ausgeführt werden.
Wichtig ist, nicht einfach irgendeine Grundierung zu verwenden. Sie muss zum Untergrund und zum gesamten Putzaufbau passen.
Schritt 2. Den passenden Lehmputz auswählen
Lehmputz ist nicht gleich Lehmputz. Je nach Anwendung kommen unterschiedliche Produkte und Körnungen zum Einsatz.
Der Lehmunterputz dient dazu, Unebenheiten auszugleichen und eine geeignete Grundlage für die weitere Bearbeitung zu schaffen. Er wird meist in einer größeren Schichtdicke verarbeitet als der Oberputz.
Der Lehmoberputz bildet die sichtbare Oberfläche. Er kann fein, glatt, rustikal oder bewusst strukturiert ausgeführt werden. Welche Optik möglich ist, hängt von der Körnung und der Verarbeitung des jeweiligen Produkts ab.
Bei der Auswahl solltest du vor allem auf folgende Punkte achten.
- Welcher Untergrund soll verputzt werden?
- Welche Schichtdicke ist vorgesehen?
- Wird ein Unterputz, ein Oberputz oder ein mehrlagiger Aufbau benötigt?
- Soll die Oberfläche glatt, fein strukturiert oder grob werden?
- Ist eine zusätzliche Armierung erforderlich?
Wenn du unsicher bist, welcher Putz für dein Vorhaben geeignet ist, lohnt es sich, den gesamten Wandaufbau vorab abzustimmen.
Schritt 3. Den Lehmputz richtig anmischen
Bevor du mit dem Auftrag beginnst, muss der Lehmputz entsprechend den Herstellerangaben vorbereitet werden. Bei Sackware wird das Material in der Regel mit der angegebenen Wassermenge gemischt.
Gib das Wasser und den trockenen Putz entsprechend den Vorgaben zusammen und mische alles gründlich durch. Die Konsistenz sollte für die jeweilige Anwendung geeignet sein. Ein Unterputz muss sich anders verarbeiten lassen als ein feiner Oberputz.
Zu viel Wasser kann das Auftragen erschweren und das Trocknungsverhalten verändern. Eine zu trockene Mischung lässt sich dagegen häufig nur schwer verteilen und verdichten.
Bereite am besten zunächst eine überschaubare Menge vor, wenn du noch wenig Erfahrung mit dem Material hast. So kannst du dich mit der Konsistenz und der Verarbeitung vertraut machen.
Beachte auch die Angaben zur Reifezeit und zur erneuten Durchmischung. Diese unterscheiden sich je nach Produkt.
Schritt 4. Den Lehmunterputz auftragen
Wenn der Untergrund vorbereitet ist, kannst du mit dem Lehmunterputz beginnen. Bei geeigneten mineralischen Untergründen wird der Putz mit einer Kelle aufgetragen und anschließend gleichmäßig verteilt. Bei Schilfrohr muss der Putz so verarbeitet werden, dass er sich ausreichend mit dem Putzträger verbindet.
Die vorgesehene Schichtdicke richtet sich nach dem Produkt, dem Untergrund und dem gewünschten Wandaufbau. Zu dicke Putzlagen können das Trocknen erschweren und das Risiko von Rissen erhöhen. Bei größeren Schichtdicken kann deshalb ein mehrlagiger Auftrag erforderlich sein.
Ziehe den Putz mit einer Kartätsche oder Abziehlatte ab, um eine möglichst gleichmäßige Fläche zu erhalten. Anschließend werden Unebenheiten ausgeglichen.
Lass dir bei diesem Arbeitsschritt ausreichend Zeit. Eine gleichmäßige Putzschicht erleichtert die weiteren Arbeiten und schafft eine gute Grundlage für den Oberputz.
Nicht jeder Untergrund benötigt einen klassischen Lehmunterputz. Bei bestimmten Lehmbauplatten ist beispielsweise ein darauf abgestimmter Aufbau mit Armierungsmörtel und Oberputz vorgesehen.
Schritt 5. Armierungsgewebe und Eckschutz einarbeiten
Je nach Wandaufbau und Produkt kann eine Armierung notwendig sein. Sie hilft dabei, Spannungen in der Putzschicht aufzunehmen und das Risiko von Rissbildung zu reduzieren.
Das Armierungsgewebe wird in die dafür vorgesehene Mörtel- oder Putzlage eingebettet. Dabei muss es vollständig und ausreichend überdeckt sein. Die einzelnen Gewebebahnen werden entsprechend den Vorgaben des Herstellers überlappt.
Besonders wichtig sind Übergänge zwischen unterschiedlichen Untergründen, Plattenstöße und andere Bereiche, in denen Spannungen auftreten können. Ob und in welchem Umfang dort eine Armierung erforderlich ist, hängt vom jeweiligen System ab.
An Außenecken und anderen beanspruchten Kanten können passende Eckschutzprofile eingesetzt werden. Sie sorgen für eine saubere Kantenführung und schützen den Putz vor mechanischen Beschädigungen.
Achte darauf, dass Gewebe, Mörtel und Lehmputz aufeinander abgestimmt sind. Eine Armierung ist kein Ersatz für einen geeigneten Untergrund oder einen fachgerechten Putzaufbau.
Schritt 6. Den Lehmoberputz auftragen
Sobald die vorherige Putzlage für die nächste Bearbeitung geeignet ist, folgt der Lehmoberputz. Er bestimmt maßgeblich, wie die fertige Wand aussieht.
Trage den Oberputz gleichmäßig auf und orientiere dich an der vorgesehenen Schichtdicke. Bei feinen Oberflächen ist eine sorgfältige Verarbeitung besonders wichtig. Gröbere Putze bieten dagegen mehr Spielraum für lebendige Strukturen.
Je nach Produkt und gewünschtem Ergebnis kannst du die Oberfläche mit einer Glättkelle, einem Reibebrett oder einem anderen geeigneten Werkzeug bearbeiten.
Für eine ruhige, glatte Wand wird der Putz entsprechend geglättet. Bei einer strukturierten Oberfläche wird die gewünschte Textur mit dem passenden Werkzeug hergestellt.
Probiere die Verarbeitung am besten zuerst an einer kleinen Fläche aus. So bekommst du ein Gefühl für das Material und kannst beurteilen, wie sich die gewünschte Oberfläche umsetzen lässt.
Schritt 7. Den Lehmputz richtig trocknen lassen
Nach dem Auftragen muss der Lehmputz ausreichend trocknen. Wie lange das dauert, hängt unter anderem von der Schichtdicke, der Raumtemperatur, der Luftfeuchtigkeit und der Belüftung ab.
Sorge für einen angemessenen Luftaustausch, damit die Feuchtigkeit aus dem Putz abgeführt werden kann. Vermeide gleichzeitig eine aggressive, ungleichmäßige Trocknung, etwa durch direkte starke Hitze auf der Wand.
Bei dickeren Putzlagen kann die Trocknung deutlich länger dauern als bei einem dünnen Oberputz. Weitere Schichten sollten erst aufgebracht werden, wenn die Voraussetzungen dafür erfüllt sind.
Auch bei der Verarbeitung von Lehmfarbe ist ein ausreichend trockener und geeigneter Untergrund wichtig. Beachte dafür die Angaben des jeweiligen Farbherstellers.
Schritt 8. Die Wand mit Lehmfarbe gestalten
Wenn du deine Wand farbig gestalten möchtest, kannst du den passenden Lehmputz mit einer geeigneten Lehmfarbe oder einem Lehmstreichputz ergänzen. Dabei stehen dir viele natürliche Farbtöne zur Verfügung, von hellen Sand- und Beigetönen bis hin zu erdigen Rot-, Braun- und Grüntönen.
Vor dem Streichen solltest du prüfen, ob der Putz ausreichend trocken ist und die Oberfläche für den gewählten Anstrich geeignet ist. Je nach Untergrund und Produkt kann eine zusätzliche Vorbereitung erforderlich sein.
Trage die Farbe nach den Herstellerangaben auf. Achte auf einen gleichmäßigen Auftrag und arbeite möglichst zusammenhängende Wandflächen ohne längere Unterbrechungen.
Wenn du bei der Farbwahl noch unsicher bist, empfiehlt es sich, Farbmuster anzusehen. Die Wirkung eines Farbtons kann sich je nach Lichteinfall, Raumgröße und benachbarten Materialien deutlich verändern.
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Welche Fehler solltest du beim Verputzen vermeiden?
Mit einer guten Vorbereitung lassen sich viele Probleme vermeiden. Besonders häufig entstehen Schwierigkeiten, wenn der Untergrund nicht zum Putz passt oder einzelne Arbeitsschritte zu früh ausgeführt werden.
Achte deshalb auf folgende Punkte.
- Ungeeigneter Untergrund. Prüfe vorab die Tragfähigkeit, Saugfähigkeit und Eignung der Wand.
- Falsche Materialkombination. Grundierung, Armierung und Putz müssen für den jeweiligen Aufbau geeignet sein.
- Zu viel Wasser beim Anmischen. Halte dich an die vorgegebene Wassermenge und die empfohlene Konsistenz.
- Unpassende Schichtdicke. Beachte die Verarbeitungsvorgaben und trage dickere Schichten gegebenenfalls mehrlagig auf.
- Fehlerhafte Armierung. Das Gewebe muss fachgerecht eingebettet und ausreichend überdeckt werden.
- Zu schnelle Trocknung. Vermeide eine ungleichmäßige oder übermäßig starke Wärmezufuhr.
- Zu früher Folgeauftrag. Warte, bis die jeweilige Putzlage für den nächsten Arbeitsschritt geeignet ist.
Gerade bei Lehmbauplatten und Schilfrohr lohnt sich ein Blick auf die Angaben des Systemherstellers. So stellst du sicher, dass alle Materialien zusammenpassen.
Fazit. Mit der richtigen Vorbereitung zum schönen Ergebnis
Lehmputz selbst aufzutragen ist ein spannendes Projekt für alle, die ihre Wände mit natürlichen Materialien gestalten möchten. Mit einem geeigneten Untergrund, dem passenden Putz und einer sorgfältigen Verarbeitung lassen sich individuelle Oberflächen schaffen.
Entscheidend ist, den Wandaufbau vor Beginn zu planen. Nicht jede Wand benötigt dieselben Schichten und auch die Verarbeitung unterscheidet sich je nach Untergrund. Wer diese Unterschiede berücksichtigt, schafft eine gute Grundlage für ein langlebiges Ergebnis.